Zerebelläre Ataxie, Krampfanfälle & Tourette

Zerebelläre Ataxie

Für die klinische Verwendung von Cholin zur Behandlung von zerebellären Ataxien (ARCA) besteht weiterhin ein erhöhter Forschungsbedarf. Eine Studie von Livingstone et al. zeigte bereits im Jahr 1981, dass Cholin zu einer zwar milden aber funktionell signifikanten Verbesserung der motorischen Koordination bei Ataxie-Patienten führen kann. Die Forschergruppe untersuchte im Rahmen einer Doppelblind-Crossover-Studie die Auswirkung von Cholinchlorid bei 20 Patienten mit Ataxie. Die Patienten erhielten entweder ein Placebo oder 6g oder 12g Cholin pro Tag. Nach 6 Wochen kam es zu einer „Überkreuzung“ (im Rahmen der Crossover-Studie). Gemessen wurde bei drei Patienten (mit Friedreich-Ataxie), bei drei Patienten mit gemischter Ataxie und vier Patienten mit primärer zerebellärer Degeneration eine   leichte aber signifikante Verbesserung der Koordination der oberen Gliedmaßen. Lediglich bei zwei Patienten kam es zu einer Verbesserung der Gangart und Koordination der unteren Gliedmaßen.[1]

 

Krampfanfälle, Komplex-partielle Anfälle

McNamara et al. untersuchten im Jahr 1980 im Rahmen einer offenen Studie die Wirkung von oralem Cholin (12 bis 16g pro Tag) bei Menschen mit medizinisch schwer zu behandelnden komplex partiellen Anfällen (CPS). Bei 3 Patienten führte die Cholineinnahme zu einem deutlichen Anstieg des Plasma-Cholin-Spiegels (75 bis 300%). Dies führte zu einer kürzeren Dauer der CPS, einer geringeren Erschöpfung nach dem Anfall und einem leichten Anstieg der Anfallsfrequenz. Sowohl die Patienten als auch ihre Familien beurteilten den Zustand mit Cholineinnahme als wesentlich besser. Bei einem 4. Patienten wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, bei dem 4. Patienten kam es auch nur zu einem geringen Anstieg des Plasma-Cholingehalts (21%). Die Ergebnisse legen nahe, dass eine orale Cholintherapie eine nützliche Ergänzung bei der Behandlung von medizinisch schwer zu behandelnden CPS sein kann. McNamara et al. zufolge wäre eine prospektive Doppelblind-Studie notwendig, um diese Behandlungsmöglichkeit besser zu beurteilen.[2]

 

 

Tourette-Syndrom

Es ist bereits bekannt, dass das Cholin die Nervenimpulsübertragung beeinflusst, welche für die Kontrolle der Muskeln notwendig ist.[3] Teilweise wird auch davon gesprochen, dass insbesondere die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin, Norepinephrin und Cholin vermutlich eine Schlüsselrolle bei der Tourette-Erkrankung einnehmen.[4] Cholin wird daher häufig auch (neben anderen Vitalstoffen) für eine natürliche Therapie von Tourette empfohlen.[5] Die wissenschaftliche Beweislage bezüglich der Wirksamkeit von Cholin bei Tourette ist bisher aber ebenfalls als unzureichend zu bezeichnen.[6]


Chorea Huntington Erkrankung

Cholin wird ebenfalls von Experten zur Behandlung der Chorea Huntington Erkrankung angewendet. Allerdings ist hier die wissenschaftliche Beweislage bezüglich der Wirksamkeit als unzureichend bzw. als dürftig zu bezeichnen.[7]

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Quellen:

[1] IR Livingstone et al. (1981): Choline chloride in the treatment of cerebellar and spinocerebellar ataxia. J Neurol Sci. 1981 May;50(2):161-74.

[2] McNamara et al. (1980): Effects of oral choline on human complex partial seizures. Neurology. 1980 Dec;30(12):1334-6.

[3] Amber Kelsey (2017): Supplements for Tourette’s Syndrome. Livestrong.com Abgerufen auf: www.livestrong.com

[4] Moriah McSharry McGrath: Pinpointing Tourette’s Syndrome. Biology 202. 1998 Second Web Reports on Serendip. Abgerufen auf: serendip.brynmawr.edu

[5] O.V.: Tourette Syndrome. The Henry Spink Foundation. Abgerufen auf: www.henryspink.org

[6] O.V.: Choline. Natural Medicines Comprehensive Database Consumer Version. WebMD. Abgerufen auf: www.webmd.com

[7] O.V.: Choline. Natural Medicines Comprehensive Database Consumer Version. WebMD. Abgerufen auf: www.webmd.com

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