Schizophrenie und die Anwendung von Cholin

Cholin und die Entwicklung von Schizophrenie

Im Jahr 2015 untersuchten die Forscher Freedman und Ross den Zusammenhang zwischen pränatalem Cholin und die Entwicklung von Schizophrenie. Schizophrenie hat, den Forschern zur Folge, eine stark genetische Komponente und die Erkrankung beginnt bereits mit der Entwicklung des fetalen Gehirns, weit vor der Entwicklung einer Psychose. Ein pathophysiologischer Mechanismus, der mit einem Aspekt des genetischen Risikos zusammenhängt ist die cholinerge Neurotransmission bei Nikotinrezeptoren. Cholin aktiviert nämlich die Nikotinrezeptoren während der fetalen Entwicklung des Gehirns. Auf diese Weise kann durch eine Nahrungsergänzung des mütterlichen Cholins auf die Entwicklung des Gehirns eingegriffen werden, um den frühesten Entwicklungsverlauf der Erkrankung zu verändern. Der Bedarf an Cholin ist im Gegenzug während der Schwangerschaft hoch, da Cholin für viele verschiedene Aufgaben im Körper benötigt wird, einschließlich der Membranbiosynthese, dem Kohlenstoff-Metabolismus und der cholinergen Neurotransmission. Cholin ist aufgrund seiner Wirkung im Körper bedeutend für die normale Entwicklung des Gehirnkreislaufs. Die Forscher untersuchten die Ergebnisse mehrerer Studien, identifizierten unter anderem die Wirkung von Cholin bei der Entwicklung des menschlichen Fötus sowie die Risikofaktoren für Schizophrenie und die Rolle der cholinergen Neurotransmission in ihrer Pathophysiologie und beobachteten bei ihrer Forschungsarbeit eine Verbesserung der inhibitorischen neuronalen Funktion, durch die Nahrungsergänzung mit Cholin (Phosphatidyl-Cholin), deren Defizit mit Schizophrenie und Aufmerksamkeitsstörungen assoziiert werden. Insgesamt kamen die Forscher zu der Erkenntnis, dass eine vorgeburtliche Nahrungsergänzung mit Phosphatidylcholin und eine Ernährungsweise, die reich an cholinhaltigen Lebensmitteln ist, eine mögliche Intervention zur Förderung der Entwicklung des fetalen Gehirns und damit zur Verringerung des Risikos für spätere psychische Erkrankungen ist. Für eine bevölkerungsweite Adaption dieser frühen Intervention sprechen laut der Forscher das geringe Risiko und die kurze Dauer der Intervention (6 Monate). In der Vergangenheit führten bereits ähnliche Befunde zur Vorbeugung von Gaumenspalten durch Folsäure zu Empfehlungen für eine pränatale pharmakologische Supplementierung und Ernährungsverbesserung. Als nachteilig sahen die Forscher die Tatsache an, dass ein definitiver Beleg für die Wirksamkeit einer pränatalen Cholinergänzung, wegen der 20-jährigen Verzögerung bis zum Einsetzen der Schizophrenie, über Jahrzente nicht zur Verfügung stehe. Es stehen demnach aktuell nur begrenze Informationen zur Verfügung, für eine grundlegende Entscheidung bezüglich der Cholinergänzung.[1] Eine weitere Studie zeigte im Jahr 2008 die Wirkung der Kombination von CDP-Cholin (Cytidin-Diphosphocholin) und Galantamin bei sechs schizophrenen Personen.


Es zeigte sich der Forschergruppe, dass sich bei fünf Patienten die schizophrenen Symptome verringerten (klinische Gesamteinschätzung und Syndromskala), nach der Supplementierung der beiden Substanzen. Drei Patienten verlangten nach der Studie die Fortsetzung der adjunktiven Kombination.[2]

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Quellen:

[1] Robert Freedman und Randal G. Ross (2015): Prenatal choline and the development of schizophrenia. Shanghai Arch Psychiatry. 2015 Apr 25; 27(2): 90–102.

[2] Stephen I. Deutsch et al. (2008): First Administration of Cytidine Diphosphocholine and Galantamine in Schizophrenia : A Sustained α7 Nicotinic Agonist Strategy. Clinical neuropharmacology. 2008, vol. 31, no1, pp. 34-39.

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