Gehirn, Gedächtnis und der Einfluss von Cholin

Die Wirkung von Cholin auf das Gehirn und das Gedächtnis

Tagtäglich achten Millionen von Menschen, weltweit, auf die Einhaltung einer fettarmen und Cholesterin-reduzierten Ernährung. Allerdings bemerken viele dabei nicht, dass Sie unter Umständen auf diese Weise zu wenige spezifische Nährstoffe für ihr Gehirn zu sich nehmen. Diese Nährstoffe fehlen dann dem Gehirn und das kann dadurch sozusagen „verhungern“, womit die kognitiven Funktionen und das Gedächtnis negativ beeinträchtigt werden. Sogenannte Diäten für ein „gesundes Herz“ sind beispielsweise für das Gehirn (eventuell) gar nicht gut. Beispielsweise wenn Eier, Fleisch, Käse und ähnliche Quellen von Cholesterin stark gemieden werden. Diese Diäten können nämlich zu einem Mangel an zwei essentiellen Nährstoffen für das Gehirn führen, dem Cholin und dem Serin. Diese beiden Nährstoffe werden von dem Gehirn benötigt, um dem Gedächtnis zugeordnete Neurotransmitter sowie Membranlipide herzustellen. Mit dem Alter wird der Bedarf an Cholin und Serin sogar kritischer. Es gibt Hinweise in der Forschung darauf, dass eine kognitive Dysfunktion daraufhin deutet, dass die Aufnahme dieser Verbindung optimiert werden könne und dazu beitragen könnte, den Anstieg der Demenzerkrankungen bei älteren Menschen umzukehren. Es gibt Untersuchungsergebnisse, die andeuten, dass die biochemischen Prozesse, welche für einen kognitiven Rückgang verantwortlich sind, ein modifizierbarer Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenzerkrankung sind. Dabei stehen insbesondere die Hirnnährstoffe Cholin (Alpha-Glycerylphosphorylcholin, kurz GPC) und Serin (Phosphatidylserin) in den Mittelpunkt der Forschung. Diese Nährstoffe könnten bei älteren Menschen sogar dazu führen, dass der Gedächtnisverlust rückläufig wird und die kognitive Leistungsfähigkeit sich wieder verbessert.[1] Im Rahmen einer Studie von Spiers et al. zeigte sich beispielsweise, dass bei älteren Erwachsenen mit einem schlechten Gedächtnis, sich durch die Einnahme von 1.000mg CDP-Cholin (auch bekannt als Citicolin) täglich sowohl das Kurzzeitgedächtnis und auch das Langzeitgedächtnis bei den Teilnehmern signifikant verbesserten.[2]

 

Geistige Leistungsfähigkeit

Cholin ist ein wesentlicher Nährstoff, den alle Menschen für eine richtige Funktion der mentalen Funktion benötigen. Cholin kann zudem die Intelligenz und das Gedächtnis fördern, da es als sogenannter „Baustein“ für den Neurotransmitter Acetylcholin dient. Acetylcholin wiederum gilt als verantwortlich für das Gedächtnis, geistige Klarheit und die gesunde Bildung von synaptischen Verbindungen zwischen den Neuronen. Forscher haben in Tierversuchen herausgefunden, dass es eine Korrelation zwischen der Cholinaufnahme von schwangeren Ratten und der Fähigkeit des Nachwuchs kognitive Aufgaben zu lösen. Weiterhin wurde herausgefunden, dass Cholin als Mittel für eine optimale Gedächtnisfunktion und Lernfunktion eingesetzt werden kann sowie als präventives Mittel zum Schutz gegen Demenz und der Alzheimer-Erkrankung. Forscher bemängeln, dass zeitgenössische Diäten aber bei ca. 90 Prozent der Bevölkerung zu einer mangelhaften Versorgung mit Cholin führen und deshalb die meisten Menschen nicht alle Vorteile von Cholin für das Gehirn nutzen würden bzw. könnten. [3] [4] Darüber hinaus wurde im Jahr 2011 erforscht, dass die Cholineinnahme über die Lebensspanne die Funktion der kognitiven Fähigkeiten in den späteren Jahren signifikant beeinflusst. Für dieses Ergebnis werteten Wissenschaftler zunächst die diätetischen Informationen von etwa 14000 Erwachsenen im mittleren Alter aus und führten im Laufe der nächsten Dekade Tests zur Überprüfung der Erinnerungsfähigkeiten und kognitiven Fähigkeiten aus. Einige Probanden unterzogen sich zudem MRT-Scans des Gehirns. Es zeigte sich, dass diejenigen mit einer höheren Cholineinnahme bessere Werte in den mentalen Funktionstests erzielten, als die anderen Probanden.[5]


Cholin und Neurogenesis

Forschern zufolge ist Cholin (Phosphatidylcholin) dazu im Stande beim Menschen das Wachstum von neuen Gehirnzellen sowie neuralen Verbindungen zu stimulieren. Dieser Prozess wird Neurogenesis genannt und zuerst wurde gedacht, dass dies ab einem fortgeschrittenen Alter unmöglich sei. Darüber hinaus schreiben Forscher dem Cholin eine Zellschützende Wirkung zu, die den Verdauungstrakt schützt und auskleidet sowie die Leber und die Gehirn- und Nervenzellen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Pharmaunternehmen das Phosphatidylcholin als Wirkstoff für neue Medikamente ansehen. Aber auch für kosmetische Verfahren wird Phosphatidylcholin in Betracht gezogen, z.B. zur Auflösung von Lipome und andere Fettablagerungen, indem es von Dermatologen unter die Haut gespritzt wird.[6]

 

Besondere Form von Cholin: GPC (alpha- Glycerylphosphorylcholin)

Den Nährstoff Cholin findet man beispielsweise in Lebensmitteln wie Rindfleisch, Hühnerleber, Eigelb, Sojabohnen, Milch und Erdnüssen. Einen Cholinmangel oder das Risiko für einen Cholinmangel hingegen können besonders Personen aufweisen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, viel Alkohol trinken oder sich fettarm bzw. stark Cholesterin-reduziert ernähren. GPC wiederum ist eine orthomolekulare Verbindung, welche natürlich im Gehirn vorkommt, dort dient sie als Acetylcholin-Vorläufer, was wiederum ein wesentlicher Neurotransmitter ist, welcher an dem Gedächtnis, Kognitiven Fähigkeiten, Schlaf und der neuromuskulären Kontrolle beteiligt ist. Ein Acetylcholin-Rückgang ist ein Kennzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen, kommt aber auch einher mit dem fortschreitenden Alter. GPC wird daher auch in Europa als verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung verabreicht, als Cholin-Alphoscerat. In den USA wiederum ist es als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich. Es wird vermutet, dass das GPC Demenz-Erkrankungen sowie Gedächtnis- und Lernverlust verhindern bzw. lindern kann, da es den Cholingehalt im Plasmaspiegel erhöht und dadurch die Produktion von Acetylcholin und Phosphatidylcholin erhöht wird.[7] Allgemein ist bekannt, dass GPC sich sehr gut zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten eignet und sehr effektive Form von Cholin ist (neben CDP-Cholin). Die verschiedenen Cholin-Formen werden im Unterpunkt „Welche Cholin-Nahrungsergänzungsmittel gibt es?“ näher erläutert.[8]

 

Wissenswertes über kognitive Funktionen

  1. Manche Ernährungspraktiken sind für die kognitiven Funktionen weniger geeignet, beispielsweise Diäten, die viel verarbeitete Lebensmittel enthalten oder jene die den Konsum von Hoch-Cholesterin-haltigen Lebensmitteln einschränken (z.B. Eier und Fleisch). Diese Ernährungsweisen können zu wenig von den wichtigen Nährstoffen enthalten, die die Kognitiven Funktionen Membranstrukturen aber für eine fehlerfreie Funktion benötigen.
  2. In Studien wurde gezeigt, dass ein leichter Rückgang der kognitiven Funktionen vermeidbar und sogar manchmal reversibel ist. Durch die Einnahme von GPC und den sogenannten Phosphatidylcholine. Diese Stoffe sind dafür bekannt die Struktur und Funktion der Gehirnzellen zu unterstützen.
  3. Nach dem 30. Lebensjahr werden wir im Allgemeinen immer anfälliger für den fortschreitenden Alterungsprozess des Gehirns und den daraus folgenden Konsequenzen. Zu diesen Konsequenzen zählen insbesondere das beeinträchtigte Gedächtnis und der fortwährende Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit, bis hin zu einer Demenzerkrankung.
  4. Allgemein wird empfohlen frühzeitig dem fortwährenden kognitiven Leistungsverlust entgegen zu wirken, noch bevor erste Symptome sich bemerkbar machen.
  5. Für das Entgegenwirken eines kognitiven Leistungsverlustes wird beispielsweise Phosphatidylserin und GPC empfohlen. Diese Kombination kann ebenfalls bei einem bereits bestehendem leichten kognitiven Leistungsverlust sowie einer leichten Demenzerkrankung (z.B. Alzheimer) nützlich sein.
  6.  In Studien wurden die neuroprotektiven und neurotropischen Verbindungen Phosphatidylserin und GPC bereits erfolgreich getestet. Es zeigte sich, dass diese eine wesentliche Rolle bei der Verhinderung des Verlustes und der Wiederherstellung von gesunden Gehirnfunktionen spielen, wenn wir altern. Des Weiteren zeigte sich, dass GPC und Phosphatidyl-Serin in Studien ein höheres Sicherheitsprofil aufwiesen, als die Medikamente, welche üblicherweise bei Demenzerkrankungen verschieben werden. GPC und Phosphatidyl-Serin wiesen ein überlegenes Nutzen-Risiko-Profil auf. Zudem wirkten die beiden natürlichen Mittel gleichzeitig auf mehreren Ebenen und synergistisch, um einen kognitiven Rückgang zu verhindern und die gesunden Gehirnfunktionen wiederherzustellen. [9]

 

Zum Schützen des Gedächtnisses

Gedächtnisdefizite können auftreten durch eine nicht optimale Versorgung des Körpers mit neuroprotektiven und neurotrophen Nährstoffen. Dies kann beispielsweise passieren durch eine „fettarme“ und „cholesterinarme“ Ernährung oder der Konsum von Lebensmitteln ohne diese Nährstoffe (z.B. industriell verarbeitete Lebensmittel). Darüber hinaus können Entzündungen und oxidative Schäden von Gehirnneuronen auftreten und zu Gedächtnisdefiziten führen. Sichere und effektive Nährstoffe zum Schützen des Gedächtnisses hingegen sind Nährstoffe wie Phosphatidylserin und GPC. Diese beiden Nährstoffe können dazu beitragen einem Nährstoffdefizit für das Gehirn bzw. Gedächtnis vorzubeugen und dadurch kognitive Störungen und Gedächtnisstörungen vorbeugen bzw. (teilweise) umkehren. In Studien wurde belegt, dass diese beiden Nährstoffe eine wichtige Rolle dabei spielen können, älteren Menschen dabei zu helfen, ihre Nervenzellfunktionen, ihre kognitiven Fähigkeiten und ihr Gedächtnis besser zu erhalten.[10]


Gedächtnisverlust durch das Altern

Der Cholinkonsum und das Gedächtnis sind stark miteinander verknüpft. Die Vorteile von Cholin bezüglich der kognitiven Entwicklung und kognitiven Fähigkeiten sind daher nicht nur auf Säuglinge und Kinder beschränkt. Eine Vielzahl von Forschungsarbeiten dokumentierte bereits, dass der Konsum von Cholin eine deutliche Auswirkung auf das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten von Erwachsenen hat. Beispielsweise ergab eine Studie, welche Daten von 14000 Erwachsenen untersuchte, dass die Erwachsenen, welche cholinreiche Lebensmittel aßen, bei den durchgeführten Gedächtnisstests am besten abschnitten. Die Ergebnisse waren signifikant besser, als bei den Probanden, welche keine cholinreiche Lebensmittel aßen. Darüber hinaus wurden MRI-Hirnscans durchgeführt. Durch die Hirnscans konnte zudem belegt werden, dass die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Hyperintensität der weißen Substanz niedriger war, bei den Probanden, die sich cholinreich ernährten. Eine Hyperintensität der weißen Substanz kann z.B. zu Demenz oder einem höheren Schlaganfallrisiko führen. Eine weitere Studie zeigte die Auswirkung einer Supplementierung von Cholin (500mg täglich für 5 Wochen, in Form von Lecithin-Granulat) bei 41 Erwachsenen im Alter von 50 und 81 Jahren. Es zeigte sich den Forschern der Florida International University, dass sich die Probanden, welche das Cholin bekamen, bei den durchgeführten Gedächtnistests verbesserten. Bei einer ergänzenden Supplementierung von Cholin ist es zu beachten, dass der Transportmechanismus, damit das Cholin die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, nur eine geringe Affinität hat bzw. ineffizient arbeitet. Es ist daher möglich, den Cholingehalt im Blut zu erhöhen, ohne eine Verbesserung der kognitiven Funktionen zu erreichen, insbesondere dann, wenn neurodegenerative Störungen, wie eine Alzheimer-Erkrankung, bereits im Gange sind. Folglich ist es sinnvoll die Vorteile von Cholin bereits möglichst früh im Leben für sich zu nutzen, während die Gehirnfunktionen noch gut ausgeprägt sind. Eine Studie aus dem Jahr 1988 verglich in Tierversuchen die pränatale und postnatale Verabreichung von Cholin bei Ratten. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass das langfristige räumliche Gedächtnis bei den Ratten mit pränataler Verabreichung am besten ausgeprägt war. Bei den Ratten mit postnataler Verabreichung von Cholin war das langfristige räumliche Gedächtnis am zweitbesten ausgeprägt und bei den Ratten ohne Cholin-Verabreichung am schlechtesten. Eine weitere Studie aus dem Jahr 1984, welche in der Zeitschrift Pharmacology Biochemistry and Behavior veröffentlicht wurde, erforschte die Wirkung von Cholin begleitend zu der Wirkung von Piracetam auf die Fähigkeit von Mäusen ihr Gedächtnis zu behalten. Piracetam ist ein nootropes Medikament und wirkt als Gedächtnisverstärker. In der Studie wurde festgestellt, dass eine sehr hohe Dosis von Piracetam (nicht weniger als 2000mg/kg Körpergewicht) notwendig ist, um das Gedächtnis der Testmäuse zu verbessern. Alternativ zeigte sich den Forschern eine vergleichbare Verbesserung bei nur 50mg/kg Körpergewicht Piracetam und zusätzlich Cholin (in gleicher Dosierung, d.h. ebenfalls 50mg/kg Körpergewicht).[11]

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Quellen:

[1] Alan Smithee (2011): Feed Your Brain! LifeExtension.com Abgerufen auf: www.lifeextension.com

[2] PA Spiers et al. (1996): Citicoline improves verbal memory in aging. Arch Neurol. 1996 May;53(5):441-8.

[3] o.V.: How Choline Affects Brain Function and Cognitive Health. Nootriment. Abgerufen auf: nootriment.com

[4] O.V.: Choline. BrainPower. Retain, increase, and expand your mind. Abgerufen auf: www.brainpower.org

[5] Terry Graedon (2011): Choline Boosts Brain Power Through Lifespan. The People’s Pharmacy. Abgerufen auf: www.peoplespharmacy.com

[6] Melanie Haiken (2013): Get Smarter: A Powerful Brain-Boosting Supplement You’ve Never Heard Of. Forbes.com Abgerufen auf: www.forbes.com

[7] Alan Smithee (2011): Feed Your Brain! LifeExtension.com Abgerufen auf: www.lifeextension.com

[8] O.V.: Alpha-GPC. Examine.com Abgerufen auf: examine.com

[9] Alan Smithee (2011): Feed Your Brain! LifeExtension.com Abgerufen auf: www.lifeextension.com

[10] Alan Smithee (2011): Feed Your Brain! LifeExtension.com Abgerufen auf: www.lifeextension.com

[11] O.V.: Choline and Memory. Progressive Health. Abgerufen auf: www.progressivehealth.com

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