Cholinmangel, Symptome und Risikofaktoren

Ein Cholinmangel beeinflusst Leber und Gehirn

Ein Cholinmangel kann Organfunktionsstörungen verursachen, wie unter anderem nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen, Leberschäden oder Muskelschäden.[1] Des Weiteren gilt eine hämorrhagische Nierennekrose als ein häufiges Symptom eines Cholinmangels.[2] Darüber hinaus ist Cholin entscheidend für die Nerven- du Gehirnfunktion. Nachfolgend mögliche Anzeichen und Symptome eines Cholinmangels.[3]

Symptome und Indikatoren eines Cholinmangels

Die Symptome, welche einen Cholinmangel anzeigen, sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Im Allgemeinen kann ein Cholinmangel einen oder mehrere der nachfolgenden Symptome umfassen:[4]

  • Leberschäden, Leberzirrhose
  • Müdigkeit, wenig Energie
  • Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit, Lernschwierigkeiten
  • Gedächtnis- oder Gehirnfunktionsstörungen, Demenz
  • Nervendysfunktionen, Nervenschäden
  • Muskelschmerzen, Schlechte Muskelbewegung
  • Stimmungsschwankungen, emotionalen Störungen.
  • Beeinträchtigungen des Fettstoffwechsels und -transportes
  • Fettablagerungen in der Leber
  • Erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridspiegel
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Hoher Homocysteinspiegel im Blut
  • Bei Neugeborenen: Atemnot, Nervendegeneration, Nerven-Muskel-Ungleichgewichte, beeinträchtigtes Wachstum
  • Anämie
  • Nierenblutung, Nierenerkrankungen
  • Abnorme Knochenbildung
  • Schlaflosigkeit
  • Unfruchtbarkeit[5] [6]

Reduzierung und Verhinderung der Symptome

Cholinmangelsymptome können möglicherweise durch eine adäquate Einnahme von Cholin bzw. gezielte Nahrungsergänzung reduziert oder verhindert werden.[7] Da Cholin im Gehirn und in den Nerven zu Acetylcholin umgewandelt wird, wird im nächsten Punkt auf einen Acetylcholin-Mangel genauer eingegangen.[8]

Anzeichen und Symptome eines Acetylcholin-Mangels

Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der ohne Cholin nicht hergestellt werden kann. Daher ist es wichtig einen Cholinmangel zu vermeiden, da Cholin bzw. das Acetylcholin im Körper für verschiedene Funktionen (Nerven-, Endokrine-, Verdauungs-, und Reproduktions-Systeme) benötigt wird.[9]

Acetylcholin ist beispielsweise der häufigste Neurotransmitter im Gehirn und (zusammen mit Dopamin) zugleich einer der beiden wichtigsten exzitatorischen (erregenden) Neurotransmitter. Weiterhin hat Acetylcholin einen sehr großen Einfluss auf das Gedächtnis und das Lernen. Es ist unter anderem notwendig, um kurzfristige Erinnerungen in langfristige Erinnerungen umzuwandeln. Ein Acetylcholin-Mangel kann sich beispielsweise durch folgende Anzeichen/Symptome zeigen:

  • Sie können häufig das richtige Wort nicht finden (Wortfindungsstörungen)
  • Bereits einfache mathematische Aufgaben bereiten ihnen Probleme
  • Während eines Gesprächs verlieren Sie Ihre Gedanken (bzw. den Gedanken)
  • Sie können der Handlung in Filmen oder Büchern nicht folgen.
  • Wenn Sie etwas lesen können sich (des öfteren) nicht an das erinnern, was sie gerade gelesen haben.
  • Sie suchen/verlegen oft im Alltag Dinge, wie z.B. Ihre Schlüssel, das Telefon oder Ihre Brille.
  • Ihre Reaktionszeit ist langsam.
  • Sie bemerken, dass Sie während des Autofahrens oft unter der Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben.
  • Bei Ihnen wurde ADHS (ein Aufmerksamkeitsdefizit) diagnostiziert oder Sie vermuten, dass Sie diese Erkrankung haben.
  • Sie haben einen schlechten Orientierungssinn, verlieren häufig Ihre Orientierung.
  • Es fällt Ihnen schwer Sport zu treiben bzw. zu trainieren und Sie haben einen schlechten Muskeltonus.
  • Sie sehnen sich nach fettigem Essen.[10]

Viele der soeben beschriebenen Symptome eines Acetylcholin-Mangels sind typisch mit dem, was wir umgangssprachlich unter dem „älter werden“ kennen bzw. dem Gedächtnisverlust/Verlust von kognitiven Fähigkeiten durch das Altern. Zudem sind einige dieser Anzeichen ebenfalls sehr ähnlich zu den frühen Stadien einer Alzheimer-Erkrankung.

Mangelsymptome sind kein Zufall

Laut Experten ist dies jedoch kein Zufall. Besteht ein chronischer Mangel an Acetylcholin, so kann dies mit ernsten neurologischen Störungen verbunden sein, einschließlich einer Demenzerkrankung (Alzheimer), Parkinson, Myasthenia gravis oder Multipler Sklerose.

Es wurde erforscht, dass bei Patienten mit Alzheimer der Acetylcholin-Spiegel im Körper bis zu 90% niedriger ist, als der normale Acetylcholin-Spiegel, bei gesunden Menschen. Medikamente gegen Alzheimer bzw. zur Behandlung von Alzheimer zielen daher darauf ab, den Acetylcholin-Spiegel zu erhalten, indem der Abbau im Körper blockiert wird. Sie hemmen (bzw. inhibieren) das Enzym Acetylcholinesterase, welches Acetylcholinmoleküle abbaut.[11]


Einflussfaktoren auf den Bedarf

Um einen Cholinmangel zu vermeiden ist es bedeutend den alltäglichen Cholin-Bedarf zu decken. Dieser wird wiederum durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Als, die den Cholin-Bedarf beeinflussenden Faktoren stellten Sanders und Zeisel im Jahr 2007 die nachfolgenden Einflüsse fest.

Geschlecht und Lebensabschnitt:

Erhöhter Cholinbedarf, da Männer und postmenopausale Frauen häufiger Organfunktionsstörungen aufgrund eines Cholinmangels entwickeln.

Schwangerschaft:

Ebenfalls erhöhter Cholinbedarf, da Cholin während der Schwangerschaft wichtig ist für die Gehirnentwicklung des Fötus und die Erhaltung der Homocystein-Konzentrationen. Durch den Nährstoff-Transport von der Mutter zum Fötus kann zudem der mütterliche Plasma-Cholin-Spiegel erschöpft werden. Zudem haben die Plazenta und das Fruchtwasser einen hohen Cholingehalt (vermutlich zur Sicherstellung der Cholinversorgung des Fötus). Des Weiteren fanden Forscher heraus, dass eine erhöhte Inzidenz von Neuralrohrdefekten

Stillzeit:

Die Muttermilch hat eine hohe Konzentration an Cholin, auch während der Stillzeit besteht ein erhöhter Cholinbedarf.

Klinischer Gesundheitszustand:

Bei einer parenteralen Ernährung ist der Cholinbedarf beispielsweise erhöht. Bis zu 84% der Patienten mit parenteraler Ernährung entwickeln laut Experten einen Cholinmangel, eine Fettleber sowie Leberschäden. Durch eine Cholinergänzung hingegen kann eine Fettleber bei vielen Patienten mit parenteraler Ernährung behandelt werden.

Versorgungszustand mit den Nährstoffen Folat, Vitamin B12 und Methionin:

Die Verstoffwechselung der Nährstoffe Cholin, Folat, Vitamin B12 und Methionin stehen in gegenseitiger Wechselbeziehung miteinander. Kommt es zu einer Unterversorgung oder Störungen bei der Verstoffwechselung des einen Nährstoffes, so setzen kompensatorische Veränderungen bei den anderen Nährstoffen ein. Beispielsweise führt ein Folatmangel zu einen erhöhten Bedarf an Cholin. Wird dieser erhöhte Cholinbedarf nicht ausreichend gedeckt, führt dies wiederum zu einem Cholinmangel.

Veranlagung (Gen Polymorphismen):

Durch die individuell unterschiedliche Veranlagung entwickeln bei einer cholinarmen Ernährung lediglich ca. 68% der Personen die für einen Cholinmangel charakteristischen Anzeichen von Organfunktionsstörungen. Dies bedeutet aber auch, dass die Veranlagung (individuellen Genpolymorphismen) das Risiko für einen Cholinmangel bei einigen Individuen erhöht. Demzufolge der Cholinbedarf bei einigen Personen auch höher als bei anderen Personen sein kann.[12]


Erhöhtes Risiko für einen Mangel

Ein erhöhtes Risiko für einen Cholinmangel besteht insbesondere bei den nachfolgenden Gruppen:[13]

  • Schwangere und ihre Kinder (ca. 90-95% der schwangeren Frauen nehmen weniger Cholin als die angemessene Menge zu sich).
  • Personen mit bestimmten genetischen Veränderungen (die am Cholin-Metabolismus beteiligt sind).
  • Patienten, welche eine parenterale Ernährung benötigen.[14]
  • Strenge Vegetarier, die auf den Konsum von Milch und Eier verzichten[15]
  • Personen mit Alkoholabhängigkeit. Alkoholismus verursacht einen relativen Cholinmangel in der Leber (durch Verringerung des Enzyms Methioninsynthetase).[16]

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Quellen:

[1] o.V.: Choline. National Institutes of Health. Office of Dietary Supplements. Abgerufen auf: ods.od.nih.gov

[2] O.V. (2013): Acetylcholine/Choline Deficiency in Chronic Illness – The Hunt for the Missing Egg. Genetic Genie. Abgerufen auf: geneticgenie.org

[3] O.V.: Choline. Health Supplements Nutritional Guide. Abgerufen auf: www.healthsupplementsnutritionalguide.com

[4] Marc Steward (2016): Choline and Choline Deficiency. Healthy Focus. Abgerufen auf: healthyfocus.org

[5] O.V.: Choline. Health Supplements Nutritional Guide. Abgerufen auf: www.healthsupplementsnutritionalguide.com

[6] Marc Steward (2016): Choline and Choline Deficiency. Healthy Focus. Abgerufen auf: healthyfocus.org

[7] O.V.: Choline. Health Supplements Nutritional Guide. Abgerufen auf: www.healthsupplementsnutritionalguide.com

[8] O.V.: Cholin und Phosphatidylcholin (Lecithin). Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit. Abgerufen auf: dgk.de

[9] o.V.: What is Choline? Benefits, Sources & Signs of Choline Deficiency. Dr. Axe. Food is Medicine. Abgerufen auf: draxe.com

[10] Deane Alban: How Acetylcholine Deficiency Impacts Memory. Be Brain Fit. Better Mind. Better Life. Abgerufen auf: bebrainfit.com

[11] Deane Alban: How Acetylcholine Deficiency Impacts Memory. Be Brain Fit. Better Mind. Better Life. Abgerufen auf: bebrainfit.com

[12] Lisa M. Sanders und Steven H. Zeisel (2007): Choline: Dietary Requirements and Role in Brain Development. Nutr Today. 2007 ; 42(4): 181–186. doi:  10.1097/01.NT.0000286155.55343.fa

[13] o.V.: Choline. National Institutes of Health. Office of Dietary Supplements. Abgerufen auf: ods.od.nih.gov

[14] o.V.: Choline. National Institutes of Health. Office of Dietary Supplements. Abgerufen auf: ods.od.nih.gov

[15] O.V.: Cholin und Phosphatidylcholin (Lecithin). Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit. Abgerufen auf: dgk.de

[16] Marylin Sterling (1999): Intelligent lifestyle and nutrition choices may thwart the liver disease long considered unstoppable. From the January 1999 Issue of Nutrition Science News. Abgerufen auf: www.chiro.org

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